Strafrecht: Verjährungsbeginn bei Untreue

bei uns veröffentlicht am11.02.2012

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Rechtsanwalt Dirk Streifler - Partner

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Zusammenfassung des Autors
Für die für den Beginn der Verjährung maßgebende Tatbeendigung ist die Realisierung der Vermögensgefährdung entscheidend-BGH vom 08.05.03-Az:4 StR 550/02
Der BGH hat mit dem Urteil vom 08.05.2003 (Az: 4 StR 550/02) folgendes entschieden:

Auf die Revisionen der Staatsanwaltschaft wird das Urteil des LG Halle vom 1. 7. 2002 mit den Feststellungen aufgehoben.

Die Sache wird zu neuer Verhandlung und Entscheidung, auch über die Kosten der Rechtsmittel, an eine andere Wirtschaftsstrafkammer des LG zurückverwiesen.

Die Revision des Angeklagten B.           gegen das vorgenannte Urteil wird verworfen.

Der Bf. hat die Kosten seines Rechtsmittels zu tragen.


Gründe:

Das LG hat den Angeklagten B.            wegen Untreue nach § 266 StGB a.F. (Fälle 3 bis 7 der Anklage) zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und neun Monaten, deren Vollstreckung es zur Bewährung ausgesetzt hat, verurteilt und ihn im übrigen vom weitergehenden Vorwurf der Untreue (Fälle 1, 2 und 8 der Anklage) aus tatsächlichen Gründen freigesprochen. Den Angeklagten S.           hat es vom Vorwurf der Beihilfe zur Untreue des Angeklagten B.             vollumfänglich ebenfalls aus tatsächlichen Gründen freigesprochen.

Der Angeklagte B.           beanstandet mit seiner Revision, soweit er verurteilt worden ist, das Verfahren und rügt die Verletzung materiellen Rechts. Mit ihren zu Ungunsten beider Angeklagten eingelegten, auf die Verletzung sachlichen Rechts gestützten Revisionen, die vom Generalbundesanwalt nur hinsichtlich des Angeklagten S.         vertreten werden, wendet sich die Staatsanwaltschaft gegen die (Teil-)Freisprechung der Angeklagten. Das Rechtsmittel des Angeklagten B.       bleibt ohne Erfolg; die Revisionen der Staatsanwaltschaft führen zur Aufhebung des Urteils insgesamt.

Nach den Feststellungen war der Angeklagte B.        seit 1981 bis zu seiner vorläufigen Amtsenthebung im März 2000 gewählter Bürgermeister der                  gemeinde S.          (Sachsen-Anhalt). Im Zuge der im Juli 1990 begonnenen Planung, in einem Ortsteil der Gemeinde ein Gewerbegebiet zu errichten, beschloß der Gemeinderat von S.         in seiner Sitzung vom 5. 3. 1991 einstimmig die Aufnahme von Krediten außerhalb des Haushalts zum Kauf von Land für dieses Projekt und ermächtigte gleichzeitig den Angeklagten, als Bürgermeister für die Gemeinde S.         Grundstücke zu erwerben.

In der zweiten Märzhälfte 1991 faßte der Angeklagte B.        den Entschluß, die für das Gewerbegebiet benötigten Grundstücke für die Gemeinde nicht direkt von den Eigentümern zu erwerben, sondern die S.        und P.        GmbH (künftig: S.        GmbH) “durch seine Vermittlung“ als Zwischenerwerberin einzuschalten. Der Angeklagte S.        war Mehrheitsgesellschafter dieser GmbH; Mitgesellschafter war          Tu.       . Beide Gesellschafter waren alleinvertretungsberechtigte Geschäftsführer. Der Angeklagte B.           kam mit einem der Geschäftsführer der GmbH überein, dass die GmbH die Grundstücke zunächst für 5 DM/qm erwerben und sie sodann für 10 DM/qm an die Gemeinde weiterverkaufen sollte. Es war nicht vorgesehen, dass die S.          GmbH vor dem Weiterverkauf an die Gemeinde wertsteigernde Maßnahmen an den Grundstücken vornehmen sollte. Den Gemeinderat und den Landrat informierte der Angeklagte B.          über die geplante Vorgehensweise nicht.

In der Folgezeit setzte sich der Angeklagte B.            überwiegend persönlich bei betroffenen Eigentümern dafür ein, ihre im geplanten Gewerbegebiet belegenen Grundstücke für 5 DM/qm an die S.          GmbH zu verkaufen. Lediglich die Grundstückseigentümer M.        , T.          und G.             (Fälle 1, 2 und 8 der Anklage) kamen möglicherweise nicht durch die direkte Einflußnahme des Angeklagten B.        , sondern durch anderweitige Kenntniserlangung über die Kaufbereitschaft der S.          GmbH mit dieser in Kontakt. Die Eigentümer T.         , W.      , P.            , Th.        , A.       und Thi.        (Fälle 2 bis 7 der Anklage) hätten ihre Grundstücke zum selben Preis auch unmittelbar an die Gemeinde verkauft.

Am 28. 3. 1991, 11. 4. 1991 und am 28. 10. 1991 gaben die genannten acht Eigentümer notariell beurkundete, bis 31. 10. 1993 (bzw. 1992 im Fall 8 der Anklage) befristete, unwiderrufliche Angebote ab, ihre Grundstücke zu einem Preis von 5 DM/qm an die S.         GmbH zu verkaufen. Der GmbH wurde dabei jeweils das Recht eingeräumt, diese Angebote auch durch einen von ihr zu benennenden Dritten annehmen zu lassen.

Am 24. 7. 1991 beantragte der Angeklagte B.            für die Gemeinde bei der                              L.          bank zum Erwerb der im geplanten Gewerbegebiet belegenen Grundstücke einen ersten Kredit auf der Grundlage eines Kaufpreises von 10 DM/qm. Der Kreditvertrag kam am 29. 8. 1991 zustande.

Am selben Tag nahm die S.          GmbH, vertreten durch den Angeklagten S.         , mit notarieller Urkunde das Kaufangebot des Eigentümers M.          (Fall 1 der Anklage) auf der Grundlage eines Quadratmeterpreises von 5 DM (insgesamt 2,39 Mio DM) an. Am 17. 10. 1991 erwarb der Angeklagte B.           mit notariellem Kaufvertrag für die Gemeinde das Grundstück von der S.           GmbH, vertreten durch den Angeklagten S.       , zum Preis von 10 DM/qm. Die Überweisung des Kaufpreises durch die Gemeinde an die S.            GmbH erfolgte am 6. 11. 1991.

Anläßlich eines Notartermins vom 2. 4. 1992 nahm die S.         GmbH, vertreten durch Al.        Tu.        , die Kaufangebote der Grundstückseigentümer T.        (2,4 Mio DM), W.         , P.         , Th.      , A.          und Thi.       an (Fälle 2 bis 7 der Anklage). Im selben Termin erfolgte die Weiterveräußerung der Grundstücke für 10 DM/qm an die Gemeinde S.       . Der Kaufpreis in Höhe von insgesamt 7,45 Mio DM wurde am 13. 5. 1992 an die S.         GmbH überwiesen.

Schließlich wurde nach Ausübung des Drittbenennungsrechts das notarielle Kaufangebot (385.400 DM) der Eigentümer G.              (Fall 8 der Anklage) von einer anderen, dem Angeklagten S.          zuzurechnenden Gesellschaft – der S.        GmbH M.              und P.                         – am 23. 9. 1992 im Beisein des Angeklagten S.         angenommen. Im selben Termin erfolgte der Weiterverkauf an die Gemeinde, vertreten durch den Angeklagten B.         . Den Kaufpreis in Höhe von 770.800 DM beglich die Gemeinde am 18. 2. 1993.

In den Fällen, in denen der Angeklagte B.           selbst Grundstückseigentümer, die auch an die Gemeinde direkt verkauft hätten, als Verkäufer an die S.           GmbH vermittelt hatte (Fälle 3 bis 7 der Anklage), sieht die Strafkammer den Straftatbestand der Untreue gem. § 266 I 2. Alt. StGB als erfüllt an, da der Angeklagte hierdurch einen günstigeren Erwerb durch die Gemeinde vereitelt habe. In den Fällen 1, 2 und 8 der Anklage hat das LG den Angeklagten B.            aus tatsächlichen Gründen freigesprochen, da nicht nachgewiesen werden könne, dass diese Grundstückseigentümer durch den Angeklagten B.          an die S.        GmbH herangeführt worden seien oder er anderweitig den Zwischenerwerb hätte verhindern können.

Den Angeklagten S.          hat das LG ebenfalls aus tatsächlichen Gründen freigesprochen. In den Fällen 3 bis 7 der Anklage hat es nicht festzustellen vermocht, dass er die Taten des Angeklagten B.         gefördert habe. Es sei nicht geklärt, mit welchem der beiden Gesellschafter der S.          GmbH der Angeklagte B.          die Vereinbarung über den Zwischenerwerb vom März 1991 geschlossen habe. Zu Gunsten des Angeklagten S.          geht die Wirtschaftsstrafkammer davon aus, dass der Angeklagte B.           mit A.      
Tu.        die Vereinbarung traf und diese auf Vorschlag des Angeklagten B.         zustande kam, mithin sich die Geschäftsführer der S.          GmbH allenfalls als “passive“ Grundstücksspekulanten betätigt hätten.

In den Fällen 1, 2 und 8 der Anklage sieht sich die Strafkammer bereits mangels Nachweises einer Haupttat des Angeklagten B.         an einer Verurteilung des Angeklagten S.        wegen Beihilfe zur Untreue gehindert.

Der Angeklagte B.

Die Revision des Angeklagten

Das Urteil weist keinen durchgreifenden Rechtsfehler zum Nachteil des Angeklagten auf.

Die Untreue zu Lasten der Gemeinde S.           ist nicht verjährt. Da sich die notariellen Angebote der Grundstückseigentümer an die S.           GmbH, deren spätere Annahme durch die GmbH und die notariellen Kaufverträge zwischen der GmbH und der Gemeinde einander bedingen und auf der Grundlage der im März 1991 getroffenen Vereinbarung eine Einheit darstellen, war nach § 78 a StGB die Tat erst beendet, als sich der aus den Kaufverträgen ergebende Schaden vollends zum Nachteil der Gemeinde S. verwirklicht hatte. Zwar kann für die Vollendung der Untreue schon eine schadensgleiche Vermögensgefährdung ausreichen. Für die für den Beginn der Verjährung maßgebende Tatbeendigung ist aber die Realisierung dieser Gefährdung entscheidend. Entsteht, wie hier, der Nachteil i.S. des § 266 StGB erst durch verschiedene Ereignisse, ist der Zeitpunkt des letzten Ereignisses maßgeblich. Das in den notariellen Vertragsangeboten der Grundstückseigentümer an die S.          GmbH liegende Gefahrenpotential verwirklichte sich im Abschluß der notariellen Kaufverträge zwischen der GmbH und der Gemeinde und verfestigte sich in der hieraus folgenden Erfüllung der Pflicht zur Zahlung des Kaufpreises. Diese erfolgte in den ausgeurteilten Fällen am 13. 5. 1992. Deshalb trat vorher jedenfalls keine Beendigung der Tat i.S. des § 78 a StGB ein.

Wie der Generalbundesanwalt in seiner Antragsschrift vom 27. 1. 2003 im einzelnen zutreffend darlegt, steht einer Verfolgungsverjährung der Tat Art. 315 a II EGStGB in der Fassung des 3. Verjährungsgesetzes vom 22. 12. 1997 (BGBl. I 3223) entgegen. Verfassungsrechtliche Bedenken im Hinblick auf die Anwendbarkeit des 3. Verjährungsgesetzes sind in dem hier zu beurteilenden Fall von “Vereinigungskriminalität“ nicht zu ersehen. Die Kammerentscheidung des BVerfG im einstweiligen Anordnungsverfahren vom 1. 8. 2002 - 2 BvR 1247/01 -, auf die sich die Revision beruft, befaßt sich mit der Frage, ob durch das 3. Verjährungsgesetz eine Verlängerung der absoluten Verfolgungsverjährungsfrist erfolgt ist. Diese Frage ist hier jedoch ohne Belang, da dem Eintritt einer absoluten Verjährung (§ 78 c III Satz 2 und 3 StGB) mit Eröffnung des Hauptverfahrens am 7. 8. 2001 das Ruhen der Verjährung gem. § 78 b IV StGB entgegen stand.

Soweit sich der Angeklagte mit Verfahrensrügen und der Sachrüge gegen die Verurteilung wendet, ist sein Rechtsmittel aus den zutreffenden Gründen der Antragsschrift des Generalbundesanwalts unbegründet.2. Die Revision der Staatsanwaltschaft

Soweit der Angeklagte in den Fällen 1, 2 und 8 der Anklage freigesprochen worden ist, hält das Urteil sachlich-rechtlicher Überprüfung nicht stand.

Nach den getroffenen Feststellungen ist zu besorgen, dass die Wirtschaftsstrafkammer bei der Beurteilung des pflichtwidrigen Handelns des Angeklagten einen zu engen Maßstab angelegt und deshalb den Untreuevorwurf zu seinem Vorteil nicht zutreffend beurteilt hat.

Der Angeklagte war als Bürgermeister der Gemeinde S.           dieser gegenüber i.S. des § 266 I 2. Alt. StGB treupflichtig. Diese Vermögensbetreuungspflicht wird in § 48, § 34 II i.V. mit § 27 I Satz 2, III und 4 der im Tatzeitraum geltenden Kommunalverfassung vom 17. 5. 1990 (GBl DDR I 1990, 255) konkretisiert. Danach war ein Bürgermeister verpflichtet, Vermögen der Gemeinde pfleglich bzw. sparsam und wirtschaftlich zu behandeln, insbesondere wenn ihm, wie hier, durch Gemeinderatsbeschluß die Befugnis zur Verfügung über Vermögen übertragen wird.

Im Rahmen dieser Vermögensbetreuungspflicht durfte der Angeklagte die Möglichkeit eines dem betreuten Vermögen vorteilhaften Vertragsabschlusses nicht vereiteln oder unberücksichtigt lassen, um unter Berufung darauf, dass Leistung und Gegenleistung äquivalent sind, für sich oder einen Dritten einen Betrag zu erlangen, den der Treugeber mit Sicherheit erspart hätte, wenn die Möglichkeit des vorteilhaften Vertragsschlusses im Interesse des betreuten Vermögens genutzt worden wäre. Dies hat das LG im Ansatz nicht verkannt. Eine Vereitelung vorteilhafter Vertragsabschlüsse durch den Angeklagten B.          unter Verletzung seiner Vermögensbetreuungspflicht gegenüber der Gemeinde sieht es aber nur in den Fällen als gegeben an, in welchen der Angeklagte Eigentümer, die ihre Grundstücke zum selben Preis auch an die Gemeinde verkauft hätten, selbst angesprochen und an die S.          GmbH als Verkäufer vermittelt hat.

Bei dieser Bewertung des Umfangs der Vermögensbetreuungspflicht des Angeklagten läßt das LG indes rechtsfehlerhaft außer Betracht, dass bereits in dem Abschluß der Vereinbarung mit der S.        GmbH vom März 1991 über einen Zwischenerwerb der Grundstücke ein tatbestandsmäßiges Handeln liegen kann. Nach den getroffenen Feststellungen war die Vereinbarung vom März 1991 nämlich darauf angelegt, der Gemeinde einen finanziellen Nachteil zuzufügen. Einen wirtschaftlich nachvollziehbaren Grund für die Einschaltung eines Zwischenerwerbers, der den vereinbarten Preisaufschlag bei der Weiterveräußerung der Grundstücke an die Gemeinde rechtfertigen könnte, hat die Strafkammer nicht festgestellt.

Zwar enthielt die Vereinbarung vom März 1991 für sich allein keine Verfügung des Angeklagten über Vermögenswerte der Gemeinde. Sie bildete aber die Grundlage für die alsbald darauf von den Grundstückseigentümern gegenüber der S.          GmbH abgegebenen unwiderruflichen und damit zu Lasten der Gemeinde vermögensgefährdend wirkenden Verkaufsangebote. Unerheblich ist dabei, ob die Grundstückseigentümer vom Angeklagten selbst an die GmbH herangeführt wurden oder ob sie anderweitig von deren Erwerbsbereitschaft Kenntnis erlangten. Auch im letzteren Fall hatte der Angeklagte durch die Vereinbarung die wesentliche Ursache dafür gesetzt, dass die von dem Flächennutzungskonzept betroffenen Eigentümer wegen des Verkaufs ihrer Grundstücke nicht direkt an die Gemeinde herantraten, sondern den Verkauf über den Zwischenerwerber abwickelten. Wie die “Drittbenennungsklausel“ in den Verkaufsangeboten zeigt, wären diese Eigentümer ebenfalls bereit gewesen, direkt an die Gemeinde zu verkaufen. Danach bestand für die Gemeinde auch in den Fällen 1, 2 und 8 der Anklage nicht nur eine ungewisse Chance auf einen Vertragsabschluß, sondern eine gesicherte Aussicht auf Abschluß eines Kaufvertrages unmittelbar mit den Eigentümern auf der Grundlage eines Preises von 5 DM/qm, wenn sich der Angeklagte B.          – wie ihm dies bei der Umsetzung des Gemeinderatsbeschlusses oblag – um den Direktkauf der Grundstücke bemüht hätte.

Nach den getroffenen Feststellungen steht deshalb allein die fehlende Vermittlungstätigkeit des Angeklagten B.         in den Fällen 1, 2 und 8 der Anklage einer Verurteilung wegen Untreue nicht entgegen. Schon deshalb bedarf die Sache insoweit neuer tatrichterlicher Prüfung und Entscheidung. Da aber das gesamte Tatgeschehen in den Fällen 1 bis 8 der Anklage insbesondere wegen des begrenzten Kreises der betroffenen Grundstückseigentümer sachlich-rechtlich eine einheitliche Tat darstellt, hebt der Senat den Schuldspruch insgesamt auf.

Der Angeklagte S.

Die Revision der Staatsanwaltschaft hat Erfolg. Der Freispruch des Angeklagten S.       vom Vorwurf der Beihilfe zur Untreue des Angeklagten B.         begegnet durchgreifenden rechtlichen Bedenken.

Soweit die Strafkammer zu dem Ergebnis gelangt, dem Angeklagten S.        sei in den Fällen 3 bis 7 der Anklage nicht nachzuweisen, dass er selbst im März 1991 die für die späteren Grundstücksveräußerungen maßgebliche “Unrechtsvereinbarung“ mit dem Angeklagten B.            für die S.          GmbH getroffen habe, ist dies - für sich betrachtet - aus Rechtsgründen nicht zu beanstanden. Das LG gelangt mit rechtsfehlerfreien Erwägungen zu dem jedenfalls möglichen, wenngleich nicht eben naheliegenden Schluß, die S.         GmbH könne bei der Vereinbarung allein durch den zweiten Geschäftsführer der GmbH, A.        Tu.       , vertreten worden sein.

Rechtlich fehlerhaft ist es jedoch, dass die Strafkammer das Verhalten des Angeklagten nach Abschluß der Vereinbarung nicht als mögliche Beihilfe zur ausgeurteilten Untreue des Angeklagten B.          in Betracht gezogen hat. Die getroffenen Feststellungen legen nämlich eine Beihilfehandlung des Angeklagten S.      dadurch nahe, dass er als Mehrheitsgesellschafter und Geschäftsführer an einem Projekt der S.          GmbH mitwirkte, wissend, dass dieses darauf abzielte, einen Gewinn durch eine Straftat zu erreichen. Bei einer solchen Sachlage käme es nicht, wie die Strafkammer meint, darauf an, welcher der beiden Geschäftsführer nach außen auftrat und für die GmbH handelte. Entscheidend wäre vielmehr, ob durch die Mitwirkung des Angeklagten S.        innerhalb der Gesellschaft die Straftat des Angeklagten B.        noch vor deren Beendigung gefördert wurde.

Hierfür spricht die Feststellung des LG, dass der Angeklagte S.         zwischen Juli 1991 und dem 13. 8. 1991 einen mit “vertrauliche Vorgehensweise beim Grunderwerb und Verkauf bei der Gemeinde S.        “ überschriebenen Vermerk fertigte. Aus diesem Vermerk geht hervor, dass die S.          GmbH “Grund und Boden per Kaufoption für 5 DM pro qm erworben hat und ... diese an die Gemeinde S.            für 10 DM pro qm verkauft“. Den Vermerk übergab der Angeklagte S.         u. a. dem damaligen Rechtsberater der GmbH, der wiederum auf der Grundlage dieses Schriftstücks am 13. 8. 1991 ein “Strategiepapier“ entwarf. Form und Inhalt dieses Vermerks und dessen Weitergabe an den Rechtsberater sprechen dafür, dass dem Angeklagten S.             nicht nur die Vereinbarung vom März 1991, sondern auch deren Unrechtsgehalt bekannt war und er jedenfalls in einem Zeitraum zwischen Vollendung und Beendigung der Untreue des Angeklagten B.          in seiner Funktion als Geschäftsführer der GmbH selbst Aktivitäten zur Umsetzung der Vereinbarung entfaltete.

Soweit die Strafkammer davon ausgegangen ist, die Organe der GmbH hätten sich nur “passiv“ als Grundstücksspekulanten betätigt, ist diese Wertung mit den festgestellten Tatsachen nicht in Einklang zu bringen. Form und Inhalt des oben beschriebenen “vertraulichen“ Vermerks des Angeklagten S.            sprechen vielmehr dafür, dass die Vereinbarung vom März 1991 mit jedenfalls einem der Geschäftsführer der GmbH im kollusiven Zusammenwirken mit dem Angeklagten B.             zustande kam und der Angeklagte S.         bewußt an deren späteren Umsetzung aktiv mitwirkte. Darauf, ob der in der Literatur vertretenen Auffassung, eine strafbare Beihilfe liege nicht vor, wenn ein außenstehender Dritter in geschäftlichen Verhandlungen seinen Vorteil sucht und die Pflichtverletzung des Täters erkennt, ohne jedoch mit diesem kollusiv zusammenzuwirken, zu folgen ist, kommt es hier deshalb nicht an.

Das Urteil unterliegt, soweit es den Angeklagten S.           betrifft, ebenfalls insgesamt der Aufhebung, da auch die Feststellungen zur Haupttat des Angeklagten B.             in den Fällen 1, 2 und 8 der Anklage der rechtlichen Überprüfung, wie unter II. 2. dargelegt, nicht standhalten.


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Strafgesetzbuch - StGB | § 266 Untreue


(1) Wer die ihm durch Gesetz, behördlichen Auftrag oder Rechtsgeschäft eingeräumte Befugnis, über fremdes Vermögen zu verfügen oder einen anderen zu verpflichten, mißbraucht oder die ihm kraft Gesetzes, behördlichen Auftrags, Rechtsgeschäfts oder ein

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