Reiserecht: Minderungsquote bei Routenänderung auf einer Kreuzfahrt

29.04.2010

Rechtsgebiete

Autoren

Rechtsanwalt für Familienrecht


Familienrecht, Erbrecht, Ehescheidung - Streifler & Kollegen
EnglischDeutsch
Zusammenfassung des Autors
Rechtsanwalt für Reiserecht - BSP Bierbach, Streifler & Partner PartGmbB
Routenänderungen einer geplanten Seereise sind nur dann zulässig, wenn die Gründe hierfür nach Vertragsschluss eintreten. Entfallen bei einer Kreuzfahrt von acht vorgesehenen Anlaufhäfen drei ist eine Minderungsquote von 25 Prozent angemessen.

So entschied das Amtsgericht (AG) München im Fall eines Ehepaars, dass eine dreiwöchige Kreuzfahrt gebucht hatte. Über Durban in Südafrika sollte die Route nach Sansibar, Mombasa, Port Victoria, Safaga, Soukhna und durch den Suezkanal nach Messina, Neapel und Genua führen. Nachdem die Reisenden in Durban eingetroffen und bereits eingeschifft waren, wurde ihnen eröffnet, dass wegen möglicher Piratenattacken im Bereich der somalischen Küste im Golf von Aden die Route verändert würde. Es entfielen die Anlaufstationen Sansibar mit dem sechsstündigen Aufenthalt, Safaga und Soukhna mit jeweils geplanten elfstündigen Aufenthalten. Hinzu kam ein zusätzlicher fünfstündiger Aufenthalt im Hafen von Sharm El Sheik. Die Reisenden wollten dafür eine fünfzigprozentige Minderung des Reisepreises vom Reiseveranstalter. Dieser wollte nicht zahlen, schließlich sei die Änderung nicht wesentlich und aufgrund der Gefahrenlage auch notwendig gewesen. Routenänderungen seien nach den Geschäftsbedingungen auch zulässig.

Die zuständige Richterin beim AG München gab den Eheleuten teilweise Recht: Die Routenänderung stelle einen Mangel dar, da eine wesentliche Änderung an dem Reiseverlauf vorgenommen worden sei. Von den vorgesehenen acht Häfen seien drei entfallen. Der Ersatzhafen habe eine wesentlich kürzere Anlaufzeit gehabt. Diese Änderung sei von den Klägern auch nicht deswegen hinzunehmen, weil der Reiseveranstalter sich eine solche in den Geschäftsbedingungen vorbehalten habe. Eine solche Umstellung sei nämlich nur zulässig, wenn die Gründe dafür nach Vertragsabschluss einträten. Bei der Buchungsbestätigung sei die Gefahr durch Piratenangriffe aber bereits bekannt gewesen. Verkaufe ein Reiseunternehmen eine Reise trotz bereits bestehendem Sicherheitsrisiko, müsse sie das Anfahren entweder trotzdem ermöglichen (z.B. durch bewaffnete Patrouillenboote) oder es hinnehmen, dass die Reisenden Minderungsrechte wahrnehmen. Als Minderungsquote seien allerdings nur 25 Prozent angemessen. Hierbei sei zum einen zu berücksichtigen, dass wesentliche Teile der Reise nicht betroffen waren, da die meisten Reisetage sowieso auf See stattfänden. Auch die Verpflegung und die Unterbringung an Bord seien nicht beeinträchtigt gewesen. Andererseits seien gerade Häfen die Höhepunkte einer Kreuzfahrt. Das Reiseunternehmen selbst beschreibe die Reise als Entdeckungsreise zu drei Kontinenten, auf welcher man Afrika erkunde, auf die alten Ägypter treffe und traumhafte Inselparadiese erlebe. Durch die Routenänderung reduziere sich das Treffen mit den alten Ägyptern von zwei elfstündigen Aufenthalten auf einen fünfstündigen Aufenthalt. Durch den Wegfall von Sansibar entfalle ein Land ganz. Zwar seien rein rechnerisch nur 28 Stunden der Reisezeit entfallen, aber auch gerade die Stunden, welche das Wesen der Transatlantikkreuzfahrt als Entdeckungsreise bestimmen. In der Gesamtschau sei daher eine Minderung um 25 Prozent angemessen, wobei dafür der Gesamtreisepreis maßgebend sei (AG München, 281 C 31292/09).


Andere Veröffentlichungen

69 Artikel relevant zu diesem Artikel

69 Artikel zum Rechtsgebiet: Reiserecht.

Aktuelle Gesetzgebung: Bundeskabinett beschließt Schlichtung im Luftverkehr

von Rechtsanwalt für Familienrecht, Streifler & Kollegen Rechtsanwälte
20.07.2012

Das geplante Gesetz soll dafür sorgen, dass sich künftig jeder Fluggast an eine Schlichtungsstelle wenden kann, um seine Ansprüche außergerichtlich geltend zu machen.

Aktuelle Gesetzgebung: Größere Transparenz und mehr Rechtssicherheit bei Reisen

von Rechtsanwalt für Familienrecht, Streifler & Kollegen Rechtsanwälte
10.12.2016

Das Bundeskabinett hat den Entwurf eines Gesetzes zur Änderung reiserechtlicher Vorschriften beschlossen.

Aktuelle Gesetzgebung: Weg frei für Schlichtung im Luftverkehr

von Rechtsanwalt für Familienrecht, Streifler & Kollegen Rechtsanwälte
29.11.2013

Zum 1. November 2013 ist das Gesetz zur Schlichtung im Luftverkehr in Kraft getreten.

Entschädigungsansprüche: Diese Ansprüche haben Sie als Flugpassagier bei Nichtbeförderung und Verspätung

von Rechtsanwalt für Familienrecht, Streifler & Kollegen Rechtsanwälte
09.05.2007

Rechtsberatung zum Reiserecht - BSP Bierbach, Streifler & Partner PartGmbB

FAZ Einspruch – Der wöchentliche Podcast für Recht, Justiz und Politik

von Rechtsanwalt Dirk Streifler - Partner, Streifler & Kollegen Rechtsanwälte
19.03.2021

Keine Woche vergeht ohne neue Gesetzesentwürfe, Urteile oder politischen Debatten, die in die Welt gerufen werden. Der wöchentliche Podcast der FAZ „FAZ Einspruch“ erklärt uns die rechtlichen Hintergründe dieser Themen, die notwendig sind, um diese überhaupt vollends erfassen zu können. Der Podcast ist perfekt für lange Fahrten unterwegs oder einfach für zwischendurch – Dirk Streifler, Streifler & Kollegen, Anwalt

Fernbus: Schlichtungsantrag jetzt auch online möglich

von Rechtsanwalt für Familienrecht, Streifler & Kollegen Rechtsanwälte
04.08.2016

Die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr hilft bei Konflikten zwischen Bahn-, Bus-, Schiffs- und Flugreisenden und den jeweiligen Anbietern.

Fluggastverordnung

von Rechtsanwalt für Familienrecht, Streifler & Kollegen Rechtsanwälte
22.09.2006

Entschädigungsansprüche der Fluggäste - S&K Rechtsanwälte in Berlin-Mitte

Mitverschulden bei unterbliebenem Weckruf

von Rechtsanwalt für Familienrecht, Streifler & Kollegen Rechtsanwälte
25.04.2007

Rechtsanwalt für Reiserecht - Entschädigungsansprüche - S&K Rechtsanwälte in Berlin-Mitte

Pauschalreiserecht: "Familienreise" auch bei nichtehelicher Lebensgemeinschaft

von Rechtsanwalt für Familienrecht, Streifler & Kollegen Rechtsanwälte
01.06.2007

Rechtsberatung zum Reiserecht - BSP Bierbach, Streifler & Partner PartGmbB

Reiserecht: "Billigflieger" dürfen keine Passagiere stehen lassen

von Rechtsanwalt für Familienrecht, Streifler & Kollegen Rechtsanwälte
20.06.2007

Rechtsberatung zum Reiserecht - BSP Bierbach, Streifler & Partner PartGmbB