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Baugenehmigung allgemein

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Bauordnungsrecht: Zum Schwimmbad an einem im Außenbereich gelegenen Wohngebäude

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Ein ohne Baugenehmigung errichtetes Swimming-Pool an einem im Außenbereich gelegenen Wohngebäude muss beseitigt werden.
Das ist das Ergebnis eines Rechtsstreits vor dem Verwaltungsgericht (VG) Koblenz. Geklagt hatten die Eigentümer eines genehmigten Wohngebäudes im Außenbereich. Sie hatten 2003 eine Baugenehmigung zur Errichtung eines privaten Schwimmbads beantragt. Diese wurde abgelehnt. 2011 stellte die zuständige Bauaufsichtsbehörde fest, dass im Garten der Kläger östlich des Wohnhauses gleichwohl eine Poolanlage errichtet wurde. Daraufhin wurde den Klägern die Beseitigung der Poolanlage unter gleichzeitiger Verfüllung der Baugrube mit unbelastetem Erdreich aufgegeben. Die Kläger legten erneut Bauunterlagen vor und beantragten nochmals eine Baugenehmigung. Deren Erteilung wurde abermals versagt.

Die hiergegen erhobene Klage hatte keinen Erfolg. Die Kläger, so die Koblenzer Richter, hätten keinen Anspruch auf die Erteilung der beantragten Baugenehmigung. Ein Schwimmbad sei kein im Außenbereich privilegiertes Vorhaben. Das gelte auch, wenn es neben einem genehmigten Wohnhaus errichtet werden solle. Es gehöre nicht zu den Nebenanlagen, über die ein dort ge­legenes Wohnhaus üblicherweise verfüge. Die Zulassung des Schwimmbads beeinträchtige öffentliche Belange. Zum einen stehe sie nicht mit den Darstellungen des Flächennutzungsplans im Einklang. Dort sei der Bereich des Bads als Fläche für die Landwirtschaft dargestellt. Zum anderen würde eine im Außenbereich bestehende Splittersiedlung verfestigt. Von daher verletze ein solches Vorhaben bauplanungsrechtliche Vorschriften. Entsprechend könne die Beseitigung des Bads verlangt werden. Es handele sich hierbei um eine Anlage, die ohne die notwendige Baugenehmigung errichtet worden sei und in Widerspruch zum Baurecht stehe.


Die Entscheidung im Einzelnen lautet:

VG Koblenz, Urteil vom 25.09.2014 (Az.: 1 K 111/14.KO):


Tatbestand

Die Kläger begehren eine Baugenehmigung; zugleich wendet sich der Kläger zu 1) gegen eine Beseitigungsverfügung sowie eine Nutzungsuntersagung mit Zwangsmittelandrohung.

Die Kläger sind Eigentümer des Grundstücks in der Gemarkung B., Flur..., Flurstück Nr..... Das Grundstück ist mit einem Wohn- sowie einem Nebengebäude bebaut und liegt im Geltungsbereich der Landesverordnung über das Landschaftsschutzgebiet „M.-gebiet von Sch. bis K.“ sowie des Vogelschutzgebietes Nr. 5809-401 „Mittel- und Unter-...“. Der Flächennutzungsplan der Beklagten stellt das Vorhabengrundstück als Fläche für die Landwirtschaft dar. Ein Bebauungsplan existiert für diesen Bereich nicht.

Das Grundstück ist überwiegend von Waldfläche umgeben; die Gebäude selbst werden von einer Wiesenfläche umschlossen. Südlich des Grundstücks befindet sich das Waldhotel „Forsthaus A.“ mit Wildgehege, Waldmuseum und Parkplätzen.

Die Beklagte erteilte den Klägern am 1. April 1998 eine Baugenehmigung zum Neubau von Betriebswohnungen und Nebengebäuden auf dem Flurstück Nr.... Die Genehmigung erfolgte im Zusammenhang mit dem von den Klägern betriebenen Waldhotel „Forsthaus A.“. Unter dem 1. Juli 1998 sowie dem 18. Mai 1999 erteilte die Beklagte sodann Nachtragsgenehmigungen unter anderem betreffend die Nutzungsänderung des Nebengebäudes sowie die Erhöhung der Trauf- und Firsthöhe des Hauptgebäudes.

Am 2. Februar 2002 beantragte der Kläger zu 1) bei der Beklagten eine Baugenehmigung zur Errichtung eines privaten Schwimmbades östlich des Wohn- bzw. Nebengebäudes auf dem Flurstück Nr.... der Flur... Der Antrag wurde von der Beklagten unter dem 28. Februar 2003 mit der Begründung abgelehnt, dem nicht privilegierten Vorhaben stünden öffentlich-rechtliche Vorschriften entgegen. Das Grundstück liege im Geltungsbereich der Landesverordnung über das Landschaftsschutzgebiet „M.-gebiet von Sch. bis K.“. Die für die Errichtung erforderliche landespflegerische Genehmigung werde versagt. Der von dem Kläger zu 1) gegen den Ablehnungsbescheid eingelegte Widerspruch wurde mit Widerspruchsbescheid des Stadtrechtsausschusses der Beklagten vom 10. Mai 2004 zurückgewiesen. Eine daraufhin erhobene Klage vor dem Verwaltungsgericht Koblenz - 1 K 1943/04.KO - nahm der Kläger zu 1) zurück.

Im Juli 2011 stellt die Beklagte aufgrund einer Ortsbesichtigung fest, dass im Garten östlich des Wohnhauses der Kläger eine ebenerdige Poolanlage einschließlich einer südlich angrenzenden Pump- und Filteranlage errichtet wurde. Nordöstlich bzw. östlich der Poolanlage verläuft an der Grundstücksgrenze eine Bruchsteinmauer. Mit Verfügung vom 8. Juli 2011 forderte die Beklagte den Kläger zu 1) zunächst zur Baueinstellung auf. Der Kläger zu 1) legte gegen diesen Bescheid Widerspruch ein, der mit bestandskräftigem Widerspruchsbescheid vom 8. Januar 2014 zurückgewiesen wurde.

Nach vorheriger Anhörung forderte die Beklagte den Kläger zu 1) mit Bescheid vom 24. Oktober 2011 unter Androhung eines Zwangsgeldes in Höhe von 4.000 € auf, die Poolanlage gemäß den in der Verfügung enthaltenen Lichtbildern inklusive aller Bauteile und Grundstückseinbauten innerhalb von drei Monaten nach Bestandskraft der Verfügung von dem Grundstück zu entfernen. Dem Kläger zu 1) wurde zudem aufgegeben, die verbleibende Baugrube mit unbelastetem Erdreich ebenerdig zu verfüllen und mit 10 cm dickem sandangereichertem Mutterboden abzudecken. Darüber hinaus untersagte die Beklagte dem Kläger zu 1) in Ziff. 2 des Bescheides die Nutzung der entstehenden Freifläche zu wie auch immer gearteten eigenen Zwecken. Die Fläche sei dauerhaft sich selbst zu überlassen, damit eine Eingrünung auf natürliche Weise gewährleistet sei. Zur Begründung wurde ausgeführt, das im Außenbereich genehmigungspflichtige Vorhaben könne weder nach § 35 Abs. 1 BauGB noch nach § 35 Abs. 2 BauGB zugelassen werden, da ihm öffentliche Belange, insbesondere solche des Natur- und Landschaftsschutzes entgegenstünden. Das Vorhaben sei in einem Landschaftsschutzgebiet sowie einem Vogelschutzgebiet verwirklicht worden. Dass diese Belange dem Vorhaben entgegenstünden, habe der Kläger zu 1) bereits dem bestandskräftigen Ablehnungsbescheid aus dem Jahr 2003 entnehmen können. Das angedrohte Zwangsgeld stelle sich als das im Vergleich zur Ersatzvornahme weniger belastende Mittel zur Herstellung rechtmäßiger Zustände dar.

Gegen die Verfügung vom 24. Oktober 2011 legte der Kläger zu 1) mit Schreiben vom 4. November 2011 Widerspruch ein, den der Stadtrechtsausschuss der Beklagten mit Widerspruchsbescheid vom 14. Januar 2014 zurückwies. Zu Begründung führte er aus, die in den Boden eingelassene Poolanlage sei formell und materiell illegal. Eine Privilegierung nach § 35 Abs. 1 BauGB komme nicht in Betracht, da die Schwimmbadanlage nicht zu einer funktionsgerechten verkehrsüblichen Nutzung des Hauptgebäudes gehöre und diesem folglich nicht diene. Nach § 35 Abs. 2 BauGB könne das Vorhaben nicht zugelassen werden, da es den Darstellungen des Flächennutzungsplans widerspreche und die Belange des § 35 Abs. 3 Satz 1 Nr. 5 BauGB und damit die natürliche Eigenart der Landschaft sowie den Naturschutz und die Landschaftspflege beeinträchtige. Die Nutzungsuntersagung könne neben der bauordnungsrechtlichen Ermächtigungsgrundlage auch auf die Vorschrift des § 17 Abs. 8 BNatSchG gestützt werden. Die Vorschrift, die bei ungenehmigten Eingriffen in Natur und Landschaft unter anderem die Anordnung von Ausgleichs- bzw. Ersatzmaßnahmen oder die Wiederherstellung des früheren Zustandes vorsehe, erlaube auch eine Eingrünung auf natürliche Weise.

Am 9. Juli 2012 beantragten die Kläger bei der Beklagten die Erteilung einer Baugenehmigung für die Errichtung der Schwimmbadanlage auf dem Flurstück... Zusammen mit dem Bauantrag legten sie eine gutachterliche Stellungnahme des Herrn Dr. C., öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Landwirtschaft, vor. Das Gutachten vom 8. Juni 2012 gelangt zu der Gesamtbewertung, dass das Schwimmbecken kaum oder nur sehr schlecht von bodengebundenen Tieren zu erreichen sei. Eine Gefährdung von Vogelarten stehe nicht zu befürchten. Durch geeignete Maßnahmen könne eine Gefährdung von Tieren weitgehend ausgeschlossen werden.

Mit Bescheid vom 24. September 2012 lehnte die Beklagte den Bauantrag der Kläger ab und führte zur Begründung aus, bei dem Vorhaben handele es sich weder um ein privilegiertes Vorhaben im Sinne von § 35 Abs. 1 BauGB noch könne es als sonstiges Vorhaben nach § 35 Abs. 2 BauGB zugelassen werden, da es öffentliche Belange beeinträchtige. Der Flächennutzungsplan der Beklagten weise den Bereich als landwirtschaftliche Fläche aus; dieser Darstellung widerspreche das Vorhaben. Das Grundstück liege zudem im Landschaftsschutzgebiet „M.-gebiet von Sch. bis K.“. Die zur Verwirklichung des Vorhabens nötige Genehmigung der unteren Naturschutzbehörde liege nicht vor. Schließlich befinde sich das Grundstück im Vogelschutzgebiet „Mittel- und Unter-...“. Die Poolanlage habe negative Auswirkungen auf die in dem Gebiet vorhandenen geschützten Tierarten.

Den hiergegen gerichteten Widerspruch der Kläger wies der Stadtrechtsausschuss der Beklagten mit Widerspruchsbescheid vom 7. Januar 2014 zurück. Zur Begründung wurde ausgeführt, das Vorhaben widerspreche nicht nur den Darstellungen des Flächennutzungsplans der Beklagten. Es beeinträchtige zudem die natürliche Eigenart der Landschaft. Auf die Beeinträchtigung weiterer öffentlicher Belange, etwa den Belang des Tierschutzes und der Landschaftspflege, durch das Vorhaben komme es daher nicht mehr an.

Die Kläger haben am 5. Februar 2014 Klage erhoben und verfolgen ihr Begehren weiter. Sie tragen vor, das Außenbereichsvorhaben nehme an der Privilegierung des bestehenden Gebäudes teil. Die im Jahr 1998 erteilte Baugenehmigung umfasse nicht nur die Gebäudefläche, sondern das gesamte Grundstück, so dass auch untergeordnete Nebenanlagen nach § 35 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 BauGB zu beurteilen seien. Selbst wenn das Vorhaben aber § 35 Abs. 2 BauGB unterfalle, so beeinträchtige es keine öffentlichen Belange. Der Flächennutzungsplan der Beklagten stehe dem Vorhaben nicht entgegen, da sie durch Genehmigung des Wohnhauses der dargestellten Nutzung als landwirtschaftliche Fläche keine Bedeutung mehr beimesse. Darüber hinaus sei die Fläche auch zuvor nicht landwirtschaftlich genutzt worden. Durch die zwischenzeitliche Entwicklung sei die Darstellung zudem funktionslos geworden. Das Vorhaben beeinträchtige auch nicht den öffentlichen Belang des Naturschutzes. Das Umfeld des Wohnhauses werde aufgrund der ungünstigen ökologischen Rahmenbedingungen sowie der bestehenden Mauer an der Grundstücksgrenze wie auch der Aufschüttung mit Kies rund um das Schwimmbecken von vielen Tierarten nicht aktiv aufgesucht. Das Landschaftsbild werde ebenfalls nicht beeinträchtigt, da das nicht über die Bodenoberfläche hinausragende Schwimmbecken hinter der Bruchsteinmauer sowie der vorhandenen Bepflanzung von öffentlichen Wegen aus kaum einsehbar sei. Das ebenerdige und optisch dezente Vorhaben stelle auch keinen Eingriff in Natur und Landschaft dar. Es bestehe unabhängig hiervon jedoch die Bereitschaft, eine ca. 300 m2 große Ausgleichsfläche zur Verfügung zu stellen. Letztlich könne die Beklagte die genannten öffentlichen Belange aber bereits deshalb nicht anführen, da das Vorhaben als angemessene Erweiterung des vorhandenen Wohngebäudes anzusehen sei, § 35 Abs. 4 BauGB. Da das Vorhaben bauplanungsrechtlich zulässig sei, könne dessen Beseitigung auch nicht verlangt werden. Die Nutzungsuntersagung verstoße gegen das Bestimmtheitsgebot, da nicht erkennbar sei, was genau auf der östlich des Wohnhauses gelegenen Grundstücksfläche zu unterlassen sei. Die Formulierung „eine Nutzung zu wie auch immer gearteten eigenen Zwecken“ lasse nicht erkennen, zu welchen Zwecken die immerhin auf einem Wohngrundstück gelegene eingefriedete Fläche durch die Eigentümer noch genutzt werden dürfe. So sei noch nicht einmal ersichtlich, ob die Fläche betreten oder ob dort Gras eingesät werden dürfe.

Die Kläger beantragen,

die Beklagte unter Aufhebung des Bescheides vom 24. September 2012 in der Gestalt des Widerspruchsbescheides vom 7. Januar 2014 zu verpflichten, die beantragte Baugenehmigung zu erteilen.

Der Kläger zu 1) beantragt weiter,

den Bescheid der Beklagten vom 24.Oktober 2011 in der Gestalt des Widerspruchsbescheides vom 14. Januar 2014 aufzuheben.

Die Beklagte beantragt,

die Klage abzuweisen.

Sie trägt vertiefend vor, der ursprünglichen Baugenehmigung könne keine nachträgliche Genehmigungsfiktion für die Schwimmbadanlage entnommen werden, bei der es sich auch nicht um eine angemessene Erweiterung des Wohnhauses unter Berücksichtigung der Wohnbedürfnisse handele. Die Nutzungsuntersagung mache hinreichend klar, dass die Fläche nach dem Rückbau des Schwimmbeckens sich selbst überlassen bleiben solle.

Die weiteren Einzelheiten des Sach- und Streitstandes ergeben sich aus den zu den Gerichtsakten gereichten Schriftsätzen der Beteiligten sowie den vorgelegten Verwaltungs- und Widerspruchsakten, die allesamt Gegenstand der mündlichen Verhandlung gewesen sind.


Entscheidungsgründe

Die Klage ist zulässig; in der Sache hat sie jedoch nur zum Teil Erfolg.

Die Kläger haben keinen Anspruch auf Erteilung der beantragten Baugenehmigung für ein Schwimmbecken und werden deshalb durch die Ablehnung ihres Antrages im Bescheid vom 24. September 2012 in der Gestalt des Widerspruchsbescheides vom 7. Januar 2014 nicht in ihren Rechten verletzt, vgl. § 113 Abs. 5 Satz 1 Verwaltungsgerichtsordnung.

Nach § 70 Abs. 1 Satz 1 Landesbauordnung Rheinland-Pfalz kann eine Baugenehmigung nur erteilt werden, wenn dem Vorhaben keine baurechtlichen oder sonstigen öffentlich-rechtlichen Vorschriften entgegenstehen. Dem Vorhaben der Kläger, das nach §§ 61, 62 Abs. 1 Nr. 5 lit. a LBauO einer Baugenehmigung bedarf, stehen jedoch die Vorschriften des § 35 Abs. 2 und 3 Baugesetzbuch entgegen, weil es im Außenbereich errichtet werden soll, nicht zu den dort nach § 35 Abs. 1 BauGB bevorzugt zulässigen Vorhaben zählt und öffentliche Belange im Sinne des § 35 Abs. 3 BauGB beeinträchtigt.

Zwischen den Beteiligten besteht kein Streit darüber, dass die Poolanlage außerhalb eines im Zusammenhang bebauten Ortsteils und mithin im Außenbereich errichtet werden soll. Dies ist nach den vorliegenden Lichtbildern und Kartenauszügen eindeutig und bedarf deshalb keiner weiteren Begründung.

Entgegen der Auffassung der Kläger verwirklicht das Vorhaben keinen der Privilegierungstatbestände im Sinne des § 35 Abs. 1 BauGB. Selbst die Kläger behaupten nicht, dass das geplante Schwimmbecken als solches, das heißt unter Ausblendung des offenbar als privilegiertes Vorhaben im Jahr 1998 genehmigten und errichteten Wohngebäudes, einem Betrieb im Sinne des § 35 Abs. 1 Nr. 1 BauGB dient. Sie meinen aber, die Poolanlage werde von der Privilegierung des Wohnhauses gleichsam „mitgezogen“; die Privilegierung erstrecke sich mit anderen Worten auf das gesamte Flurstück Nr.... und erfasse auch dort vorhandene untergeordnete Nebenanlagen. Dieser Argumentation vermag sich die Kammer nicht anzuschließen.

Dabei erscheint es aus Sicht des Gerichts bereits zweifelhaft, ob das im Jahr 1998 genehmigte Wohn- bzw. Nebengebäude der Kläger den Privilegierungstatbestand des § 35 Abs. 1 Nr. 1 BauGB für sich in Anspruch nehmen kann. Weder den Verwaltungsvorgängen noch den Ausführungen der Beteiligten lässt sich entnehmen, inwiefern das Wohnhaus der Inhaber eines Waldhotels mit Freigehege und Waldmuseum einem land- oder forstwirtschaftlichen Betrieb dient. Selbst wenn aber eine solche Privilegierung für das Hauptgebäude unterstellt würde, lässt sich die Rechtsauffassung der Kläger nicht auf § 14 Abs. 1 Satz 1 Baunutzungsverordnung stützen. Nach dieser Vorschrift sind zwar auch untergeordnete Nebenanlagen und Einrichtungen zulässig, die dem Nutzungszweck der in dem Baugebiet gelegenen Grundstücke oder des Baugebiets selbst dienen und die seiner Eigenart nicht widersprechen. Doch wie bereits ihr Wortlaut hinreichend verdeutlicht, findet sie im Außenbereich keine Anwendung. Auch eine analoge Anwendung von § 14 Abs. 1 Satz 1 BauNVO ist im vorliegenden Fall ausgeschlossen. Denn eine Analogie setzt eine planwidrige Regelungslücke voraus. An einer solchen Lücke fehlt es im Fall der Kläger, weil die für den Außenbereich geltende Bestimmung des § 35 BauGB den vorliegenden Sachverhalt abschließend regelt.

Die bauplanungsrechtliche Zulässigkeit des Schwimmbeckens richtet sich damit nach § 35 Abs. 1 BauGB. Ob eine für sich genommen nichtprivilegierte Nebenanlage an der Privilegierung einer Hauptanlage teilnimmt, ist durch Auslegung des Tatbestandsmerkmals „dienen“ in § 35 Abs. 1 Nr. 1 BauGB im Blick auf die Hauptanlage und deren Ausstattung zu bestimmen. Bei dieser Auslegung ist der Grundgedanke des § 35 BauGB, dass der Außenbereich grundsätzlich nicht bebaut werden soll, zu beachten; durch ihn wird die Privilegierung eingeschränkt.

Das Merkmal des Dienens nach § 35 Abs. 1 Nr. 1 BauGB ist also auch dann zu verneinen, wenn ein Vorhaben zwar nach seinem Verwendungszweck grundsätzlich gerechtfertigt ist, doch nach seiner Ausgestaltung, Beschaffenheit oder Ausstattung nicht mehr durch diesen Verwendungszweck geprägt wird. Deswegen muss auch die Ausstattung eines im Außenbereich geplanten Wohnhauses verkehrsüblich und noch hinreichend vom Verwendungszweck geprägt sein, wobei zur Ausstattung grundsätzlich auch etwaige bauliche Nebenanlagen gehören können.

Dies vorausgeschickt zählt der Swimmingpool der Kläger nicht mehr zu der verkehrstypischen Ausstattung ihres Wohnhauses. Er lässt sich weder mit einer von der Rechtsprechung noch als angemessen angesehenen Pkw-Garage noch - wie die Kläger meinen - mit einer Terrasse vergleichen. Während sich die Verkehrsüblichkeit einer Garage daraus ergibt, dass zur funktionsgerechten Nutzung auch eines im Außenbereich gelegenen Wohngebäudes die Möglichkeit gehört, ein Kraftfahrzeug abstellen zu können , folgt dies für eine Terrasse daraus, dass es sich hierbei nach der Verkehrsanschauung um eine Fortsetzung der Wohnnutzung in den Grundstücksaußenbereich handelt, die in aller Regel unmittelbar an das Wohngebäude anschließt, jedenfalls aber stets einen engen räumlichen wie funktionalen Bezug zu dem Wohngebäude aufweist. Dementsprechend verfügt eine Vielzahl von Wohngebäuden über Garagen bzw. Terrassen. Ein Swimmingpool ist dagegen in keiner Weise verkehrsüblich, da Wohnhäuser regelmäßig nicht über eine solche Einrichtung verfügen. Pools gehören zudem nicht zur funktionsgerechten Nutzung einer Wohnung. Zwischen einer Garage oder Terrasse und dem Schwimmbecken besteht daher insoweit ein entscheidender Unterschied. Ihre unterschiedliche Behandlung kann deshalb auch nicht als sinnwidrig angesehen werden, auch wenn etwa eine Garage für den Betrachter optisch deutlich stärker in Erscheinung tritt als ein in den Boden eingelassenes Schwimmbecken, das vorliegend zudem aufgrund der konkreten Örtlichkeit von der Straße aus nicht wahrgenommen werden kann.

Fehlt es dem Vorhaben der Kläger somit an einer eigenständigen bzw. vermittelten Privilegierung im Sinne des § 35 Abs. 1 Nr. 1 BauGB, kann der Pool im Außenbereich nicht zugelassen werden, weil er als „sonstiges“ Vorhaben nach § 35 Abs. 2 BauGB öffentliche Belange im Sinne des § 35 Abs. 3 BauGB beeinträchtigt.

Das Vorhaben widerspricht den Darstellungen des Flächennutzungsplanes. Dieser stellt den in Rede stehenden Bereich als eine Fläche für die Landwirtschaft dar. Damit hat der Plangeber zum Ausdruck gebracht, dass eine bauliche Verdichtung in diesem Bereich nicht gewünscht ist; vielmehr soll der im Außenbereich herkömmlichen Nutzung der Vorrang eingeräumt werden. Zwar ist - dies ist den Klägern zuzugeben - der Flächennutzungsplan nur so lange als öffentlicher Belang beachtlich, wie die Darstellungen durch die gegebene Situation bestätigt oder erhärtet werden. Sie sind nicht wie Rechtssätze anwendbar, sondern immer nur als Unterstützung und einleuchtende Fortschreibung bestimmter tatsächlicher Gegebenheiten geeignet, zum Vorliegen eines beeinträchtigten Belangs beizutragen. Dies bedeutet aber nicht, dass der Flächennutzungsplan nur dann ein beachtlicher öffentlicher Belang ist, wenn seine Darstellungen mit der tatsächlichen Situation übereinstimmen; dann liefe seine Erwähnung als öffentlicher Belang weitgehend leer. Vielmehr soll lediglich klargestellt werden, dass der Flächennutzungsplan dort nicht mehr maßgeblich sein kann, wo seine Darstellungen den besonderen örtlichen Verhältnissen nicht mehr gerecht werden, diese also etwa durch die zwischenzeitliche Entwicklung überholt sind. Ein derartiger Fall einer Funktionslosigkeit liegt hier entgegen der von den Klägern vertretenen Auffassung nicht vor. Die Darstellung als landwirtschaftliche Fläche hat sich nicht überholt. Unabhängig davon, ob das Grundstück derzeit in diesem Sinne genutzt wird, ist eine entsprechende landwirtschaftliche Nutzung der östlich des Wohngebäudes gelegenen Flächen nach wie vor möglich.

Die Zulassung des Swimmingpools der Kläger lässt zudem die Verfestigung einer Splittersiedlung befürchten, § 35 Abs. 3 Satz 1 Nr. 7 BauGB. Der öffentliche Belang, Splittersiedlungen zu vermeiden, steht beispielhaft für das Bestreben des Gesetzgebers, die Entwicklung unorganischer Siedlungsstrukturen und damit jede Zersiedelung des Außenbereichs, d. h. das Entstehen oder Verfestigen einer zusammenhanglosen oder aus anderen Gründen unorganischen Streubebauung zu verhindern. Der in diesem Sinne unorganischen Streubebauung fehlt die nach Lage der Dinge angemessene Konzentration; sie nimmt in mehr oder minder willkürlicher und zusammenhangloser Verteilung über das vertretbare Maß hinaus Außenbereichsflächen in Anspruch. Eine Bebauung, die derartige Mängel aufweist, widerspricht dem Erfordernis einer organischen Siedlungsstruktur und ist daher regelmäßig unerwünscht. Der Außenbereich soll grundsätzlich von allen nicht unmittelbar seinem Wesen und seiner Funktion entsprechenden Baulichkeiten freigehalten werden; dabei muss es sich nicht nur um Wohnbauten handeln, auch andere Bauten können eine Splittersiedlung bilden oder erweitern. Bei einer Zulassung des Bauvorhabens der Kläger würde die bereits vorhandene Splittersiedlung im Außenbereich verfestigt. Das Gebiet in der südlichen bzw. östlichen Umgebung des Grundstückes der Kläger weist nach seiner natürlichen Beschaffenheit teilweise vergleichbare Verhältnisse auf. Es könnte also ebenfalls baulich genutzt werden. Somit kann in tatsächlicher Hinsicht nicht ausgeschlossen werden, dass dort weitere bauliche Anlagen entstehen. Dabei kommt es nicht entscheidend auf die Frage an, ob derzeit bereits die Verwirklichung weiterer Vorhaben absehbar ist. Für den Tatbestand des Befürchtens der Verfestigung einer Splittersiedlung genügt es nämlich, dass die Gründe, die weiteren Vorhaben entgegengehalten werden könnten, an Überzeugungskraft einbüßen würden, wenn das jetzt beantragte Vorhaben nicht aus eben den Gründen versagt würde, mit der Genehmigung also ein so genannter Berufungsfall geschaffen würde. Mit der Versagung der Genehmigung soll bereits „den Anfängen gewehrt“ werden.

Soweit sich die Kläger auf die Möglichkeit einer erleichterten Zulassung des Bauvorhabens nach § 35 Abs. 4 Satz 1 Nr. 5 BauGB berufen, teilt die Kammer diese Rechtsauffassung nicht. Von einer angemessenen Erweiterung eines Wohngebäudes kann begrifflich bei der Errichtung einer zweiten, vom Wohngebäude räumlich abgesetzten, eigenständigen baulichen Anlage nicht mehr die Rede sein. Durch § 35 Abs. 4 Satz 1 Nr. 5 BauGB sollen keine neuen Baurechte geschaffen, sondern nur Härten und Schwierigkeiten beseitigt werden, um dem Eigentümer eine angemessene Wohnraumversorgung zu gewährleisten. Die zusätzliche Beeinträchtigung des Außenbereichs hält sich in Grenzen, wenn das ohnehin Vorhandene zwar erweitert wird, die Zahl der baulichen Anlagen sich hierdurch aber nicht erhöht. Dagegen sind Baumaßnahmen, die wie hier in keinem unmittelbaren bautechnischen Zusammenhang mit dem geschützten Baubestand stehen, geeignet, der Gefahr einer verstärkten Zersiedelung des Außenbereichs Vorschub zu leisten.

Haben nach alledem die Kläger keinen Anspruch auf Erteilung der beantragten Baugenehmigung, so ist auch die in Ziff. 1 der Bauordnungsverfügung vom 24. Oktober 2011 enthaltene Beseitigungsanordnung rechtmäßig und verletzt in der Gestalt des Widerspruchsbescheides vom 14. Januar 2014 den Kläger zu 1) nicht in seinen Rechten, § 113 Abs. 1 Satz 1 VwGO. Hinsichtlich der ebenfalls in der genannten Bauordnungsverfügung in Ziff. 2 ausgesprochenen Nutzungsuntersagung sowie der in Ziff. 3 enthaltenen Zwangsmittelandrohung ist die Klage indes begründet. Denn diese bauaufsichtsbehördlichen Maßnahmen sind rechtswidrig und der Kläger zu 1) hierdurch in seinen Rechten verletzt, § 113 Abs. 1 Satz 1 VwGO.

Die angefochtene Beseitigungsverfügung findet ihre Ermächtigungsgrundlage in § 81 Satz 1 LBauO. Danach kann die Bauaufsichtsbehörde die teilweise oder vollständige Beseitigung von baulichen Anlagen auf Kosten der nach § 54 LBauO verantwortlichen Personen verlangen, wenn diese Anlagen gegen baurechtliche oder sonstige öffentlich-rechtliche Vorschriften über die Errichtung oder die Nutzungsänderung dieser Anlagen verstoßen und nicht auf andere Weise rechtmäßige Zustände hergestellt werden können.

Diese tatbestandlichen Voraussetzungen des § 81 Satz 1 LBauO sind nach den vorstehenden Ausführungen erfüllt. Das von der Beklagten aufgegriffene Schwimmbecken im Außenbereich ist formell illegal, weil es ohne die nach §§ 61, 62 Abs. 1 Nr. 5 lit. a LBauO erforderliche Baugenehmigung errichtet worden ist. Wie dargelegt fehlt es dem Vorhaben zudem an der Genehmigungsfähigkeit, weil ihm die Bestimmung des § 35 BauGB über die Zulässigkeit von Vorhaben im Außenbereich entgegensteht.

Die Forderung der Beklagten nach der Beseitigung der formell und materiell illegalen baulichen Anlage ist auch ermessensgerecht. Grundsätzlich ist der Erlass einer bauaufsichtsbehördlichen Beseitigungsanordnung bei rechtswidrig errichteten baulichen Anlagen zur Wiederherstellung baurechtmäßiger Zustände angezeigt und ermessensgerecht. Daran ändert im vorliegenden Fall auch die Einwendung des Klägers zu 1) nichts, die Beklagte hätte als weniger belastendes Mittel zunächst die Stellung eines Bauantrages fordern müssen. Dieser Gedanke kann nur dann zum Tragen kommen, wenn der Abbruch einer ungenehmigten, aber genehmigungsfähigen baulichen Anlage angeordnet wurde. Dies ist nach den vorstehenden Ausführungen indes gerade nicht der Fall.

Die ebenfalls auf § 81 Satz 1 LBauO gestützte Nutzungsuntersagung ist hingegen rechtswidrig. Die Beklagte kann sich für das von ihr ausgesprochene Nutzungsverbot von Freiflächen auf dem in Rede stehenden Grundstück der Kläger bereits nicht auf die Vorschrift des § 81 Satz 1 Alt. 2 LBauO stützen. Nach dieser Ermächtigungsgrundlage kann die Bauaufsichtsbehörde die Benutzung der im Widerspruch zu baurechtlichen bzw. öffentlich-rechtlichen Vorschriften errichteten Anlagen untersagen. Damit ermächtigt die Vorschrift dazu, solche Nutzungen zu untersagen, die ohne die erforderliche Baugenehmigung ausgeübt werden oder die Variationsbreite einer erteilten Baugenehmigung überschreiten. In der Nutzungsuntersagung muss mit hinreichender Bestimmtheit bezeichnet sein, welche konkrete baurechtswidrige Nutzung der Adressat des Bescheides zu unterlassen hat. Eine Ermächtigung, den Eigentümer eines Grundstücks zu verpflichten, jegliche Nutzung seines Grundstücks zu unterlassen, enthält deshalb § 81 Satz 1 Alt. 2 LBauO schon nach seinem Wortlaut nicht. Im Übrigen würde eine derartige Nutzungsuntersagung das durch Art. 14 Abs. 1 Grundgesetz geschützte Eigentum unverhältnismäßig einschränken. Das vollständige Nutzungsverbot würde dazu führen, dass dem Kläger zu 1) noch nicht einmal die Nutzung des betroffenen Grundstücksteils als Wiese ermöglicht wird. Es führte daher letztlich zu größeren Beschränkungen, als dies bei der Wiederherstellung des ursprünglichen Zustandes und mithin einer Gartenfläche selbst der Fall wäre.
Ist die ausgesprochene Nutzungsuntersagung rechtswidrig, kann auch die damit verbundene Zwangsgeldandrohung keinen Bestand haben. Sie findet nicht ihre Grundlage in §§ 61, 62, 64 und 66 Landesverwaltungsvollstreckungsgesetz , weil sie zur Durchsetzung einer rechtswidrigen und deshalb aufzuhebenden Grundverfügung erlassen worden ist. Ohne Bedeutung ist in diesem Zusammenhang, dass sich die in Ziff. 1 der Anordnung festgeschriebene Beseitigungsverpflichtung als rechtmäßig erweist. Denn die Zwangsgeldandrohung hat ein einheitliches Zwangsgeld für die Durchsetzung der Ziff. 1 und 2 zum Gegenstand; ihr liegt eine einheitliche Ermessensausübung der Beklagten hinsichtlich der Zwangsgeldhöhe zugrunde. In dem Bescheid vom 24. Oktober 2011 führt die Beklagte aus, dass ein Zwangsgeld von 4.000,00 € bei Nichtdurchführung der Ziffern 1-2 angedroht werde. Angesichts des einheitlichen Regelungscharakters lässt sich diese Zwangsgeldandrohung nicht in zwei selbstständige Teile mit eigenständigen Ermessenserwägungen trennen und ist von daher insgesamt rechtswidrig.