Gewährleistungsrechte bei einem Autokauf

11.04.2007

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Wirtschaftsrecht / Existenzgründung / Insolvenzrecht / Gesellschaftsrecht / Strafrecht
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BGH, Urteil vom 2.06.2004 – VIII ZR 329/03 Zivilrecht - Kaufrecht - von Rechtsreferendar Jacob Scheffen
 
zu BGH, Urteil vom 2.06.2004 – VIII ZR 329/03

In einer der ersten Entscheidungen des BGH zum neuen Schuldrecht wurden wesentliche Ausführungen für die Durchsetzung von Gewährleistungsrechten bei einem (Auto-)kauf gemacht. Der BGH urteilte, wenn ein (Motor-)Schaden unstreitig erst nach Gefahrübergang, also idR nach Übergabe des Fahrzeuges auftritt, könne sich ein Verbraucher nicht lediglich auf § 476 BGB berufen. Diese Regelung besagt, wenn sich der Mangel innerhalb von sechs Monaten seit Gefahrübergang zeigt, vermutet wird, dass dieser Mangel von Anfang vorhanden ist. Nach der Ansicht des BGH setzt § 476 BGB aber das Vorhandensein eines Mangels voraus und enthälte lediglich eine in zeitlicher Hinsicht wirkende Vermutung, daß dieser Mangel bereits im Zeitpunkt des Gefahrübergangs vorlag.


Leitsätze
 
Macht der Käufer Rechte gemäß § 437 BGB geltend, nachdem er die Kaufsache entgegengenommen hat, trifft ihn die Darlegungs- und Beweislast für die einen Sachmangel begründenden Tatsachen. § 476 BGB enthält insoweit für den Verbrauchsgüterkauf keine Beweislastumkehr. Die Bestimmung setzt einen binnen sechs Monaten seit Gefahrübergang aufgetretenen Sachmangel voraus und begründet eine lediglich in zeitlicher Hinsicht wirkende Vermutung, daß dieser Mangel bereits im Zeitpunkt des Gefahrübergangs vorlag.
 

Entscheidung

Der VIII. Senat des BGH urteilte, wenn ein Käufer unter Berufung auf das Vorliegen eines Sachmangels Rechte gemäß § 437 BGB klageweise geltend macht, ihn nach dem neuem Schuldrecht die Darlegungs- und Beweislast für die einen Sachmangel begründenden Tatsachen trifft. Soweit § 476 BGB für den - hier gegebenen - Verbrauchsgüterkauf die Beweislast zugunsten des Käufers umkehrt, betrifft das nicht die Frage, ob überhaupt ein Sachmangel vorliegt. Die Vorschrift setzt vielmehr einen binnen sechs Monaten seit Gefahrübergang aufgetretenen Sachmangel voraus und enthält eine lediglich in zeitlicher Hinsicht wirkende Vermutung, daß dieser Mangel bereits im Zeitpunkt des Gefahrübergangs vorlag.
 

Fazit

Die Entscheidung des BGH führt zu einer Erschwerung des Verbraucherschutzes. Bisher konnte angenommen werden, dass sich ein Verbraucher bei Auftreten eines Mangels innerhalb von sechs Monaten nach dem Kauf  auf § 476 BGB berufen könne, um seine Gewährleistungsrechte, wie Schadensersatz, Rücktritt oder Minderung gerichtlich geltend zu machen. Es wurde davon ausgegangen, wenn sich ein Mangel, wie zum Beispiel ein Motorschaden, nach dem Gefahrübergang zeigt und dieser Schaden wiederum auf einem (anderen) Motorteil , wie einem defekten Zahnriemen, beruht, aufgrund von § 476 BGB das Bestehen des Schadens seit dem Kauf (Gefahrübergang) vermutet wird. Nach der neuen Entscheidung des BGH muß ein Kläger jedoch nachweisen, dass die Ursache des Schadens bereits bei Gefahrübergang vorlag. Erst wenn der Beweis des Vorliegens eines Mangels geführt wurde, der auch im Zeitpunkt der Übergabe vorgelegen haben könne, kann sich ein Käufer auf die Vermutung des § 476 BGB berufen. Die vorliegende Entscheidung erschwert die Durchsetzung von Gewährleistungsansprüchen wesentlich und macht eine tiefgreifende Schadensdarlegung erforderlich.
 

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