Aufklärungspflicht einer Bank gegenüber Kunden bei Wertpapier-Eigengeschäften der Bank

OLG Karlsruhe-Urteil vom 30.03.2011 (Az: 17 U 133/10)-S&K Rechtsanwälte in Berlin Mitte

Das OLG Karlsruhe hat mit dem Urteil vom 30.03.2011 (Az: 17 U 133/10) entschieden:

Eine Pflicht zur Aufklärung über Vertriebsvergütungen ist nur dann gegeben, wenn die Bank ihrem Kunden ein Kapitalmarktprodukt empfiehlt (vermittelt) oder im Auftrag des Kunden und für dessen Rechnung ein Finanzinstrument für diesen erwirbt (Finanzkommissionsgeschäft, § 1 I S. 2 Nr. 4 KWG; § 2 III S. 1 Nr. 1 WpHG) und sich dafür vom Anbieter des Produkts eine dem Kunden nicht erkennbare Umsatzprovision (Rückvergütung) versprechen und gewähren lässt.

Gründe:

Die Klägerin nimmt die Beklagte aus eigenem und abgetretenem Recht ihres Ehemannes (Zedent) auf Ersatz des Schadens in Anspruch, der aufgrund von Wertpapiergeschäften entstanden ist.

Auf Drängen der Beklagten übertrugen die Klägerin und der Zedent, die beide als Ärzte praktizierten, ein bei der D. B. bestehendes Wertpapierdepot auf die Beklagte und entschlossen sich sodann zum Zwecke des Vermögensaufbaus nach Grundaufklärung und Beratung durch die Beklagte im November 2007 zum Erwerb von 200 Stück Bonus-Zertifikate der D.-B. für 20.200 EUR (Anlage B 12). Am 11.07.2008 nahmen sie insgesamt 5.000 Stück Bonus-Zertifikate der B. Bank für 5.100 EUR (Anlage B 13) in ihr Depot. Nach erheblichen Kursverlusten veräußerten die Anleger die Zertifikate der D.-B. im Oktober 2008 für 11.253 EUR und erwarben am 22.10.2008 auf Anraten der Mitarbeiter der Beklagten 372 Investmentfondsanteile U. E. St. 50 net für 10.936 EUR (Anlage B 11). Nachdem diese Kapitalanlage innerhalb einer Börsenwoche ebenfalls in die Verlustzone geraten war, veräußerten die Klägerin und ihr Ehemann am 27.10.2008 auch diese Papiere. Der erlittene Verlust belief sich auf weitere 837 EUR.

Die Anleger fühlen sich schlecht beraten. Die Klägerin legt der Beklagten Aufklärungsversäumnisse zur Last. Die Beklagte habe weder anleger- noch anlagegerecht beraten, da sie und ihr Ehemann nicht auf ein mögliches Risiko des Verlustes des eingesetzten Kapitals hingewiesen worden seien. Auch hätte die Beklagte ihren vertraglichen Verpflichtungen zur Beratung nicht genügt, weil sie ihr Provisionsinteresse beim Vertrieb der Wertpapiere nicht offenbart habe. Die Klägerin hat Ersatz des ihr und dem Zedenten entstandenen Schadens aus den Wertpapiergeschäften einschließlich entgangener Zinsen in Höhe von 4,5% auf das investierte Kapital in Höhe von insgesamt 17.032,25 EUR verlangt.

Wegen weiterer Einzelheiten wird gem. § 540 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 ZPO auf die tatsächlichen Feststellungen im angefochtenen Urteil Bezug genommen.

Das Landgericht hat nach Beweisaufnahme durch Vernehmung der Zeugen Dr. W., M. und U. die Klage mit der Begründung abgewiesen, die Klägerin habe nicht nachgewiesen, dass die Beklagte ihre Beratungspflichten verletzt habe. Die empfohlenen Finanzinstrumente stünden mit Anlageziel und Risikoprofil der Eheleute in Einklang. Über die Anlagerisiken seien sie jeweils ausreichend informiert worden. Das gelte auch in Bezug auf den Erwerb der Investmentanteilscheine. Eine Verpflichtung der Beklagten zum Hinweis auf eigene Gewinnmargen habe nicht bestanden.

Dagegen wendet sich die Klägerin, die mit der Berufung ihre erstinstanzlichen Anträge weiterverfolgt, wobei sie den Zahlungsantrag 1 mit Rücksicht auf die von den B.-Zertifikaten erzielten Erlöse auf 12.770,79 EUR nebst Zinsen ermäßigt und im Übrigen die Klage für erledigt erklärt. Entgegen der Ansicht des Landgerichts liege bereits eine anlegergerechte Anlageberatung nicht vor. Die Bonus-Zertifikate hätte die Beklagte den Anlegern nicht andienen dürfen, weil diese den Anteil festverzinslicher Anlageformen hätten erweitern und Kurschwankungen nicht hätten hinnehmen wollen. Das von der Beklagten erstellte Risikoprofil über die Anleger habe das Landgericht unter fehlerhafter Würdigung der Zeugenangaben ausgelegt. Auf keinen Fall könne angenommen werden, die Klägerin und der Zedent seien „risikobereit“ gewesen. Vorrangiges Ziel sei jedenfalls die Substanzerhaltung des Kapitals gewesen. Unter den gegebenen Marktverhältnissen gänzlich verfehlt sei schließlich der Rat zum Erwerb des Investmentfonds gewesen. Auch seien die Anleger nicht über die mit den Wertpapiergeschäften verbundenen Risiken aufgeklärt worden. Zu Unrecht sei das Landgericht insoweit den Aussagen der beiden Anlageberater gefolgt. Die von diesen behauptete umfangreiche Aufklärung ergebe sich gerade nicht aus der Dokumentation (Anlage B 2). Diese enthalte gerade bei den Zertifikaten insoweit eine Lücke, die Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Zeugen M. und U. aufkommen lasse. Das gelte auch für den Erwerb der Investmentfondsanteile, weil hier die Aussage des Zeugen M. sich nicht mit dem schriftsätzlichen Vorbringen der Beklagten in Deckung bringen lasse. Dabei seien die Anleger über den negativen Kursverlauf seit 2007 nicht unterrichtet worden. Schließlich liege ein schuldhafter Pflichtverstoß der Beklagten darin, dass sie im Rahmen der Beratungsgespräche nicht über ihre Umsatzvergütungen Auskunft gegeben habe.

Die Beklagte tritt der Berufung entgegen und verteidigt das angefochtene Urteil. An der Beweiswürdigung des Landgerichts gebe es nichts auszusetzen. Insbesondere sei es nicht rechtsfehlerhaft, dass das Landgericht seine Überzeugung vom Geschehensablauf nicht an der Aussage des Zeugen Dr. W. ausgerichtet habe.

Wegen der weiteren Einzelheiten des Berufungsvorbringens der Parteien wird auf die im Berufungsrechtszug gewechselten Schriftsätze Bezug genommen.

Die zulässige Berufung der Klägerin ist nicht gerechtfertigt. Zu Recht hat das Landgericht die Schadensersatzklage für unbegründet erachtet. Ein Schadensersatzanspruch wegen Falschberatung steht der Klägerin nicht zu; dies gilt auch im Hinblick auf die Empfehlung der Beklagten vom 21.10.2008, die erworbenen D.-B. Zertifikate gegen Investmentfondsanteile einzutauschen. Einen Haftungsgrund kann die Klägerin auch nicht aus dem Vorwurf herleiten, die Beklagte hätte sie und ihren Ehemann auf Gewinnmargen bzw. Rückvergütungen hinweisen müssen.

Ohne Erfolg macht die Berufung geltend, die Klägerin und der Zedent seien im Rahmen des zwischen den Parteien geschlossenen Beratungsvertrages nicht ordnungsgemäß aufgeklärt worden. Ein beratungsvertragliches Verschulden der Beklagten ist nicht nachgewiesen. Die entsprechenden Feststellungen des Landgerichts binden das Berufungsgericht gem. § 529 Abs. 1 ZPO. Die von der Berufung erhobenen Einwendungen greifen nicht durch.

Der Berufung kann nicht gefolgt werden, wenn sie meint, die Beklagte habe den Anlegern bereits die Bonus-Zertifikate nicht empfehlen dürfen, weil durch den Erwerb das Ziel einer vorzugsweisen angestrebten Anlage in festverzinslichen Produkten verfehlt worden sei. Im Zuge der Umschichtung des auf die Beklagte übertragenen Wertpapierdepots waren die Anleger bereit, zur Erzielung einer höheren Rendite 40% des Anlagekapitals gewinnorientiert anzulegen. Das hat der Zeuge M. ausgesagt; auch der Zeuge Dr. W. (Zedent) hat bestätigt, dass er mit dieser Vorgabe die Chance einer höheren Rendite wahrnehmen wollte.

Ein entsprechendes Risikoprofil weist die von der Beklagten am 08.11.2007 erstellte Dokumentation (Anlage B 1) aus, die das Landgericht entgegen den Angriffen der Berufung fehlerfrei gewürdigt hat. Der Zeuge Dr. W. hat vor dem Landgericht angegeben, dass er bei vorrangiger Substanzerhaltung höhere Gewinne anstrebte. Der Erwerb der Zertifikate war daher von der dokumentierten Risikobereitschaft der Anleger gedeckt, weil für das in die Zertifikate investierte Kapital ein Sicherheitspuffer bestand, der erst bei einem Kursverlust von 40% erreicht wurde. Der Eintritt eines solchen Ereignisses war aber im November 2007 bzw. im Juli 2008 nicht wahrscheinlich.

Daher vermag der Senat ebenso wie das Landgericht der nachträglichen Selbsteinschätzung des Zedenten als „risikoscheu“ nicht zu folgen.

Auch beim Austausch der verlustreichen D.-B. Zertifikate durch die Investmentfondsanteile U. E. St. 50 kann der Beklagten nicht der Vorwurf gemacht werden, sie habe nicht anlegergerecht beraten. Vielmehr haben die Klägerin und der Zedent am 21.10.2008 in Kenntnis der Verhältnisse auf den Finanzmärkten und des Kursabsturzes des Produkts sich nach Aufklärung durch den Zeugen M. für ein weiteres riskantes Investment und gegen die alternativ angebotene festverzinsliche Anlage des Erlöses aus dem vorzeitigen Verkauf der Zertifikate entschieden. Man hat vielmehr auf eine längerfristige Anlagestrategie gesetzt (Haltedauer: ein Jahr), weil man mit einer Erholung der Aktienmärkte rechnete. Das ist hinreichend dokumentiert und von den Anlegern durch ihre Unterschrift bestätigt worden (Anlage B 9, I 117). Die Prognose des Anlageberaters der Beklagten war auch nicht fehlerhaft, weil die Papiere nach einem weiteren Kursverfall Ende 2008 sich im nächsten Börsenjahr (2009) bereits wieder erholten. Die seinerzeit mit der Klägerin und dem Zedenten vereinbarte Strategie zielte darauf, etwaige weitere Kursverluste „auszusitzen“, um die erlittenen Verluste mit den D.-B. Zertifikaten wieder wettzumachen (Aussage der Zeugen Dr. W. und M., Protokoll Landgericht vom 09.03.2010, S. 5 und 9, I 297, 305).

b) Des Weiteren steht auch nicht fest, dass die Beklagte es an einer anlagegerechten Beratung hat fehlen lassen. Vielmehr ist das Landgericht verfahrensfehlerfrei zu der Überzeugung gelangt, dass die Klägerin und ihr Ehemann auf die mit den Wertpapiergeschäften verbundenen Risiken hingewiesen worden sind.

Es hat, gestützt auf die für glaubwürdig gehaltene Aussage des Anlageberaters M. festgestellt, dass die Anleger jeweils auf das mit den Bonus-Zertifikaten verbundene Risiko hingewiesen worden sind. Entgegen der Auffassung der Berufung spielt es keine Rolle, dass die interne Dokumentation des Anlageberaters über das Gespräch (Anlage B 2) einen entsprechenden Hinweis nicht aufführt, vielmehr über diesen Punkt keine Angaben enthält. Auch wenn der Zeuge M. hat einräumen müssen, dass im Rahmen des Beratungsgesprächs nicht sämtliche in dem Formblatt aufgeführten Produkte, sondern nur typische Risiken besprochen worden sind, ändert sich dadurch die Beweislage zugunsten der Klägerseite nicht. Die Berufung übersieht, dass den Anlegern am 08.11.2007 schriftliche Basisinformationen über die Vermögensanlage in Wertpapieren übergeben worden sind. Damit hat die Beklagte die nach dem Inhalt der Dokumentation geschuldete Beratungsleistung jedenfalls in schriftlicher Form erbracht. Die Klägerin hat nicht bewiesen, dass sie die Unterlagen nicht erhalten hat.

Nach alledem ist das Berufungsgericht an die vom Landgericht getroffenen Feststellungen gemäß § 529 Abs. 1 ZPO gebunden, weil Zweifel an der Richtigkeit oder Vollständigkeit der erstinstanzlichen Feststellungen nicht bestehen.

Die Anleger sind entgegen der Ansicht der Berufung auch zutreffend auf den aktuellen Kursverlauf des Investmentfonds im Jahre 2008 hingewiesen worden. Das hat der Zeuge M. ausgesagt. Aufgrund dieser Bekundung ist davon auszugehen, dass der Zeuge bei dem zweiten Beratungsgespräch dem Zedenten einen Chart präsentierte, der den Kursabsturz im Jahr 2008 darstellte (Protokoll Landgericht, S. 10, I 307). Insoweit setzt die Klägerin ihre Sicht der Dinge der tatrichterlichen Überzeugung entgegen. Der Klägerin ist der Nachweis ihrer Behauptung vor dem Landgericht nicht gelungen. Daher bleibt es auch in diesem Punkt bei der vom Landgericht vorgenommenen Beurteilung der Rechtslage.

2. Die Klägerin kann die geltend gemachten Schadensersatzforderungen auch nicht auf den Vorwurf stützen, die Beklagte habe es pflichtwidrig unterlassen, sie und ihren Ehemann über ihre mit den Anlagegeschäften verbundenen Vergütungsinteressen zu informieren.

Eine aufklärungspflichtige Rückvergütung im Sinne der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs liegt, wie das Landgericht mit Recht entschieden hat, bei den hier zur Beurteilung stehenden Festpreisgeschäften nicht vor. Die von der Klägerin zur Begründung ihrer Klage zitierte Rückvergütungsrechtsprechung des Bundesgerichtshofs  ist auf die im Streitfall ausschließlich vorliegenden Wertpapiergeschäfte der Beklagten für eigene Rechnung (Wertpapier-Eigengeschäfte) nicht anwendbar. Sie betrifft eine Ausnahmesituation, weil und soweit der Bank als Vertriebsmittlerin eine von Anlegern nicht erwartete und auch nicht erkennbare Umsatzprovision von dem Anbieter des Finanzprodukts zugewendet wird.

Denn nicht jeder beim Anlagegeschäft auftretende Interessenkonflikt und erst recht nicht das allgemeine Interesse des Kunden, über die Vertriebsprovision seines Beraters informiert zu werden, begründen die beratungsvertragliche Rechtspflicht zur Offenlegung der den Konflikt auslösenden Umstände. Grundsätzlich muss die beratende Bank ihr Eigeninteresse am Zustandekommen des Anlagegeschäfts nicht offenbaren. Eine aufklärungsrelevante Interessenkollision besteht nur in dem - allerdings nicht seltenen - Ausnahmefall, dass die allein zur Wahrung des Kundeninteresses verpflichtete Bank gleichzeitig das Absatzinteresse der kapitalsuchenden Anlagegesellschaft fördert und mit diesem Fremdinteresse ihr umsatzabhängiges Eigeninteresse am Vertragsabschluss verknüpft. Soweit der Kunde nicht mit einer solchen Interessenverbindung rechnet oder nach Lage der Dinge nicht rechnen muss, ist die beratende Bank verpflichtet, ihn darüber aufzuklären, dass sie mit der Anlageberatung nicht nur sein Geschäft besorgt und seinen Interessen dient, sondern auch ein Geschäft der Vertragsgegenseite führt. Für die Aufklärungspflicht konstitutiv ist daher allein die spezifische Interessenkollision, dass die Bank als Geschäftsbesorgerin auf beiden Seiten des Anlagegeschäfts steht. Eine Geschäftsbesorgung für beide Vertragsparteien ist jedoch, wenn dies für eine Vertragspartei unerwartet und nicht erkennbar geschieht, nach allgemeinen zivilrechtlichen Maßstäben als Missbrauch der Geschäftsbesorgungsmacht und damit als treuwidrig einzustufen.

Eine Pflicht zur Aufklärung über Vertriebsvergütungen ist daher nur dann gegeben, wenn die Bank ihrem Kunden ein Kapitalmarktprodukt empfiehlt (vermittelt) oder im Auftrag des Kunden und für dessen Rechnung ein Finanzinstrument für diesen erwirbt (Finanzkommissionsgeschäft, § 1 Abs. 1 Satz 2 Nr. 4 KWG; § 2 Abs. 3 Satz 1 Nr. 1 WpHG) und sich dafür vom Anbieter des Produkts eine dem Kunden nicht erkennbare Umsatzprovision (Rückvergütung) versprechen und gewähren lässt. Nach auftrags- und kommissionsrechtlichen Vorschriften muss der Geschäftsbesorger den Vertragspartner über Vertriebsvergütungen von dritter Seite informieren, §§ 675, 666 BGB; §§ 384, 387 HGB. Ein solches Verhalten fordert im Übrigen auch die aufsichtsrechtliche Norm des § 31d WpHG.

Der Rechtsgrund der Offenbarungspflicht ergibt sich demnach nicht schon aus dem bloßen Vorliegen von Interessenkonflikten und dem Vorrang des Interesses des Anlegers, ihm eine richtige Einschätzung der Beratungssituation zu ermöglichen und ihm eine Beurteilungsbasis für die Frage an der Hand zugeben, ob die Bank eine spezielle Anlageform allein deshalb empfiehlt, weil sie selbst daran verdient. Vielmehr besteht eine aufklärungsrelevante Pflichtenkollision nur in dem Fall, dass mit den verdeckten Rückvergütungen - für den Anleger nicht erkennbar - das Absatzinteresse eines Dritten ins Spiel kommt, mit dem der Anleger nicht rechnet. Diesen Begründungszusammenhang hat der XI. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs bisher nicht hinreichend deutlich gemacht. Die „Kick-back“-Rechtsprechung ist entgegen der Auffassung der Berufung nicht verallgemeinerungsfähig und daher auf die hier in Rede stehenden Festpreisgeschäfte der Beklagten nicht übertragbar.

Im Streitfall handelt es sich bei den Effektengeschäften zwischen der Beklagten und den Anlegern jeweils um Kaufverträge (Festpreisgeschäft gemäß Nr. 1.3 SBW). Die Beklagte hat die Zertifikate nach Zeichnung der Klägerin und ihres Ehemannes (Kaufauftrag) jeweils auf eigene Rechnung angeschafft. Das Festpreisgeschäft wird in der Wertpapierhandelspraxis zwar wie ein Kommissionsgeschäft abgewickelt, ist aber zivilrechtlich davon zu unterscheiden. Denn die Pflichtenlage der Bank ist hier schon deshalb eine andere, weil sie ihren Kunden über die Anschaffung der Wertpapiere nicht Rechnung legen muss. Vielmehr ist bei diesem Effektengeschäft ein fester, bestimmter Preis vereinbart. Dabei weiß der Kunde als Käufer, dass die Bank als Verkäuferin eigene Vertragsinteressen verfolgt und mit Gewinnerzielungsabsicht handelt. Notwendig, aber ausreichend ist insoweit lediglich, dass die Bank ihren Kunden darüber informiert, dass ein Kaufvertrag zu Stande kommt.

Das Festpreisgeschäft besteht unabhängig von den Konditionen des Deckungsgeschäfts, so dass die Bank das (freilich geringe) Risiko von Kursschwankungen zwischen Vertragsabschluss (zum festen Preis) und Deckungsgeschäft trägt. Die Marge zwischen Einstands- und Verkaufspreis betrifft das aufklärungsfreie wirtschaftliche Eigeninteresse der Bank am Wertpapiergeschäft. Die Beklagte verfolgte mit dem Verkauf der zuvor in ihren eigenen Bestand übernommenen Anlageprodukte nicht anders als jeder Verkäufer jeweils lediglich ihr eigenes legitimes Interesse am Abschluss des Kaufvertrages. Für den Käufer von Wertpapieren liegen die widerstreitenden Geschäftsinteressen bei Abschluss des synallagmatischen Vertrages klar zu Tage. Er muss deshalb wie jeder Käufer seine eigenen Belange selbst und eigenverantwortlich wahrnehmen und kann von Rechts wegen nicht erwarten, über die Eigeninteressen des anderen Vertragsteils aufgeklärt zu werden. Die Belange des Kunden werden durch das Erfordernis einer anleger- und objektgerechten Beratung hinreichend gewahrt, weil die Empfehlung eines überteuerten und unwirtschaftlichen Anlageprodukts diesen Anforderungen regelmäßig nicht gerecht wird.

Daher muss die Bank beim Wertpapier-Eigengeschäft den Kunden nicht über ihre Verdienstspanne unterrichten. Der Kunde weiß oder rechnet jedenfalls damit, dass die Bank als Verkäuferin einen Geschäftsgewinn erzielt. Die Marge zwischen Einstands- und Verkaufspreis unterliegt nach dem Grundmodell des BGB für synallagmatische Geschäfte und der marktwirtschaftlichen Rechtsordnung nicht der (vor-) vertraglichen Aufklärungspflicht. Das gilt nicht nur für die im Streitfall den Anlegern verkauften Zertifikate, sondern auch für die von der Beklagten gehandelten Investmentanteilscheine (vgl. § 33 Abs.1 InvG).

Nach alledem scheidet ein haftungsbegründender Pflichtverstoß der Beklagten aus, so dass die Berufung mit der Kostenfolge aus § 97 Abs. 1 ZPO zurückzuweisen ist. Die Anordnung der vorläufigen Vollstreckbarkeit hat §§ 708 Nr. 10, 711 ZPO zur Grundlage.

Gemäß § 543 Abs. 2 ZPO erscheint es geboten, die Revision zuzulassen. Der BGH hat sich zu der Rechtsfrage der Aufklärung über Gewinnmargen noch nicht geäußert.

Gemäß § 63 Abs. 2 GKG war der Streitwert für den Berufungsrechtszug festzusetzen.

Für eine möglichst individuelle Beratung bitten wir Sie, den von uns speziell für diese Fälle konzipierten Fragebogen auszufüllen und zu einem Beratungsgespräch mitzubringen bzw. uns zuzusenden.

Die verkürzte Darstellung bedingt, dass eine vollständige Beschreibung der relevanten Rechtslage hier nicht möglich ist und daher eine professionelle Beratung nicht ersetzt. Trotz sorgfältiger Bearbeitung bleibt eine Haftung ausgeschlossen.

In unserer Kanzlei wird der Bereich des Bank- und Kapitalmarktrechts maßgeblich betreut von Rechtsanwältin Ulrike Westhauser.


Bitte vereinbaren Sie einen Termin mit unserer Kanzlei.

Streifler & Kollegen
Oranienburger Straße 69
10117 Berlin


Tel.: 030-278740 30
Fax: 030-278740 59
e-Mail anlegerrecht@streifler.de
vCard von S&K Rechtsanwälte direkt aufs Handy!
Besuchen Sie uns auf Facebook! Bei diesem Link werden keine Daten an Facebook übermittelt.facebook: www.streifler.de/facebook  
Besuchen Sie uns auf google plus! Bei diesem Link werden keine Daten an google plus übermittelt.google+:   www.streifler.de/googleplus
Besuchen Sie uns auf youtube! Bei diesem Link werden keine Daten an youtube übermittelt.youtube:   www.streifler.de/youtube
Folgen Sie uns auf twitter! Bei diesem Link werden keine Daten an twitter übermittelt.twitter:      www.streifler.de/twitter

vCard S&K Rechtsanwälte vCard S&K Rechtsanwälte in Berlin Mitte


zurück zur Übersicht: Bankrecht und Kapitalmarktrecht

Beachten Sie auch unsere Lexikonartikel zum Kapitalmarktrecht:

Derivat
Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht
Finanzkommisionsgeschäft
Finanztermingeschäft
Immobilienfond
Schadensersatz bei fehlerhafter Anlageberatung





Übersicht Übersicht: Aktuelles


  zurueck: vor:  


Kommentar schreiben

Letztes Update 17.06.2011 | Copyright© RA Dirk Streifler 2014 | Seite drucken: Aufklärungspflicht einer Bank gegenüber Kunden bei Wertpapier-Eigengeschäften der Bank

Zurück zur Startseite